Allgemeines

DSD fassen eine Reihe seltener, angeborener Erkrankungen zusammen, bei denen aufgrund von genetischen, hormonellen, oder anatomischen Veränderungen keine eindeutige Zuordnung eines Menschen zum weiblichen oder männlichen Geschlecht möglich ist. Die resultierenden anatomischen Variationen sind vielfältig, jedoch nicht zwingend krankheitswertig oder korrekturbedürftig.

Die klinische Diagnose eines DSD erfordert eine genaue Klassifizierung und Zuordnung zur ursächlichen genetischen und/ oder hormonellen Veränderungen, um therapiebedürftige Aspekte rechtzeitig zu identifizieren und ggf. zu therapieren.

In der Universitätsklinik Tübingen steht den betroffenen Familien ein interdisziplinäres Team aus Kinderchirurgen, Gynäkologen, Kinderendokrinologen, Humangenetikern und Psychologen zur Verfügung.
In einem eng verzahnten Kooperationsmodell werden heranwachsende Patient/Innen in gemeinsamen Sprechstunden von Kinderchirurgen und Gynäkologen beraten und bei Bedarf auch von diesem interdisziplinären Team operativ-chirurgisch behandelt. Unser Spektrum beinhaltet dabei sowohl Primärkorrekturen als auch sekundäre Korrektureingriffe. Grundsätzlich wird zwischen geschlechtsangleichenden und geschlechtsverändernden Operationen unterschieden. Letztere werden mit höchsten Restriktionen durchgeführt. Die Empfehlungen des Deutschen Ethikrates [1] sowie des Chicago Consensus statement on management of intersex disorders [2] werden berücksichtigt.